Ein Malbild auszumalen klingt zunächst ganz einfach: Stift nehmen und loslegen.
Aber wer schon einmal mit einem Kind gemeinsam gemalt hat, weiß: Es gibt unzählige Möglichkeiten, aus einem einfachen Malbild etwas ganz Besonderes zu machen.
Als Malbuchersteller finde ich es immer wieder spannend zu sehen, wie unterschiedlich Kinder mit denselben Bildern umgehen. Das eine Kind malt einen Elefanten grau, das andere macht ihn bunt. Das eine bleibt ganz genau innerhalb der Linien, das andere lässt die Farben bewusst darüber hinauslaufen.
Und beides kann richtig sein.
Trotzdem gibt es ein paar einfache Tricks, mit denen ein Malbild besonders schön und interessant werden kann.
1. Erst einmal das ganze Bild anschauen
Bevor der erste Stift zum Einsatz kommt, lohnt es sich, das Bild kurz anzuschauen.
Was ist darauf zu sehen?
Welche Tiere, Menschen oder Gegenstände gibt es?
Welche Bereiche möchtest du zuerst ausmalen?
Gerade bei größeren Bildern hilft es, sich zunächst einen kleinen Überblick zu verschaffen.
2. Mit den großen Flächen beginnen
Eine einfache Methode ist, zunächst die großen Flächen auszumalen.
Zum Beispiel:
- den Himmel
- eine Wiese
- ein großes Tier
- ein Haus
- einen großen Baum
Danach kann man sich an die kleineren Bereiche herantasten.
So wirkt das Bild nach und nach immer vollständiger.

3. Farben vorher auswählen
Manchmal sieht ein Bild besonders harmonisch aus, wenn man nicht einfach jede Farbe zufällig verwendet.
Leg dir zum Beispiel drei bis fünf Farben neben das Bild.
Vielleicht:
Grün – Blau – Gelb – Rot – Braun
Jetzt kannst du überlegen, wo diese Farben gut passen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass man sich strikt daran halten muss. Wenn plötzlich noch eine andere Farbe gebraucht wird, darf sie selbstverständlich dazukommen.
4. Helle und dunkle Farben kombinieren
Ein Bild kann interessanter wirken, wenn nicht alles gleich kräftig ausgemalt wird.
Du kannst beispielsweise einen hellen Himmel mit einem kräftigeren Baum kombinieren.
Oder bei einem Tier manche Bereiche etwas heller und andere etwas dunkler gestalten.
Dadurch bekommt das Bild mehr Abwechslung.
5. Nicht immer nur eine Farbe verwenden
Warum sollte ein Baum nur grün sein?
Vielleicht bekommt der Baum verschiedene Grüntöne.
Oder ein paar gelbe Blätter.
Oder sogar rote und orange Blätter.
Auch bei Tieren kann man verschiedene Farbtöne miteinander kombinieren.
So entsteht ein lebendigeres Bild.
6. Innerhalb der Linien langsam arbeiten
Wenn du möglichst sauber ausmalen möchtest, hilft vor allem eines:
Nicht zu schnell arbeiten.
Gerade bei kleinen Flächen kann es sinnvoll sein, die Stiftbewegungen etwas kleiner zu machen.
Bei größeren Flächen kann man dagegen mit längeren Bewegungen arbeiten.
Und wenn doch einmal eine Linie übermalt wird?
Kein Problem.
Ein Malbild muss nicht perfekt aussehen.
7. Mit dem Druck des Stiftes experimentieren
Das ist ein einfacher Trick, den viele gar nicht ausprobieren.
Drücke einmal etwas stärker auf den Stift.
Die Farbe wird kräftiger.
Dann male dieselbe Farbe ganz leicht auf das Papier.
Sie wirkt plötzlich viel heller.
Mit derselben Farbe kannst du dadurch unterschiedliche Wirkungen erzeugen.
Das macht besonders bei größeren Flächen Spaß.

8. Kleine Details hervorheben
Viele Malbilder haben kleine Details, die erst richtig auffallen, wenn sie Farbe bekommen.
Zum Beispiel:
- Augen
- Blumen
- Knöpfe
- Blätter
- Sterne
- Muster
- kleine Gegenstände
Diese Details kannst du bewusst mit einer kräftigen oder besonderen Farbe hervorheben.
So bekommt das Bild seinen eigenen Charakter.
9. Trau dich, ungewöhnliche Farben zu verwenden
Das ist vielleicht mein wichtigster Tipp:
Es gibt beim Malen nicht immer eine richtige Farbe.
Ein Hund muss nicht braun sein.
Eine Blume muss nicht rot sein.
Und ein Haus muss nicht weiß sein.
Vielleicht möchtest du einen blauen Hund malen.
Dann mach das!
Gerade Kinder haben hier oft eine wunderbare Fantasie. Ein Malbuch sollte diese Fantasie nicht einschränken, sondern sie ermöglichen.
10. Zum Schluss noch einmal das ganze Bild anschauen
Wenn du mit dem Ausmalen fertig bist, leg den Stift kurz zur Seite.
Schau dir dein Bild noch einmal in Ruhe an.
Gibt es eine Stelle, die noch etwas Farbe gebrauchen könnte?
Möchtest du irgendwo ein kleines Detail ergänzen?
Vielleicht möchtest du sogar noch einen eigenen Baum, eine Sonne oder ein paar Wolken dazumalen.
Denn ein Malbild muss nicht genau so bleiben, wie es ursprünglich gedruckt wurde.
Es ist dein Bild.
Das Wichtigste: Dein Bild muss dir gefallen
Ein „optimales“ Malbild ist nicht unbedingt das Bild, das am saubersten innerhalb der Linien ausgemalt wurde.
Es ist das Bild, bei dem du Freude hattest.
Vielleicht hast du dich für ungewöhnliche Farben entschieden.
Vielleicht hast du sehr sorgfältig gearbeitet.
Vielleicht hast du einfach drauflosgemalt.
Alles ist erlaubt.
Denn genau das macht das Ausmalen so schön:
Aus einem schwarz-weißen Bild wird durch deine Ideen etwas ganz Eigenes.
Und vielleicht ist das am Ende der beste Tipp überhaupt:
Nicht darüber nachdenken, wie das Bild aussehen „muss“.
Einfach anfangen und Spaß am Malen haben.
Elian
