Autor: Elian Winter

  • Ab welchem Alter ist ein Malbuch für Kinder sinnvoll?

    Ab welchem Alter ist ein Malbuch für Kinder sinnvoll?

    Viele Eltern fragen sich, wann eigentlich der richtige Zeitpunkt für das erste Malbuch gekommen ist. Manche Kinder greifen schon sehr früh begeistert nach einem Stift und möchten alles ausprobieren, was sich auf einem Blatt Papier anstellen lässt. Andere interessieren sich zunächst überhaupt nicht dafür und entdecken das Malen erst etwas später für sich. Beides ist vollkommen normal, denn jedes Kind entwickelt seine eigenen Interessen und Fähigkeiten in seinem eigenen Tempo.

    Als Malbuchersteller finde ich deshalb die Frage „Ab welchem Alter ist ein Malbuch geeignet?“ eigentlich etwas zu eng gestellt. Viel interessanter ist die Frage, welches Malbuch zu welchem Kind passt. Denn ein einfaches Malbuch mit großen Motiven kann bereits für ein sehr junges Kind interessant sein, während ein aufwendig gestaltetes Buch mit vielen kleinen Flächen selbst für ein älteres Kind noch zu schwierig sein kann.

    Die ersten Erfahrungen mit Stift und Papier

    Schon kleine Kinder haben Freude daran, mit einem Stift über ein Blatt Papier zu fahren und dabei zu beobachten, was passiert. Zunächst entstehen vielleicht nur ein paar Linien oder Kreise, manchmal wird auch einfach kräftig auf dem Papier herumgekritzelt. Für einen Erwachsenen sieht das noch nicht unbedingt nach einem Bild aus, für das Kind ist es aber eine wichtige Erfahrung: Es bewegt seine Hand und hinterlässt damit eine sichtbare Spur.

    Genau aus diesem Grund sollte man die ersten Malversuche nicht daran messen, ob am Ende ein erkennbares Bild entsteht. Ein Kind muss nicht schon „richtig“ malen können, bevor es ein Malbuch bekommt. Im Gegenteil: Das Malen selbst ist ein Teil des Lernens und Entdeckens.

    Bei jüngeren Kindern sind deshalb einfache und gut erkennbare Motive besonders geeignet. Ein großer Hund, ein Ball, eine Sonne, ein Baum oder ein einfaches Fahrzeug sind leichter zu erfassen als ein Bild, auf dem sich zahlreiche kleine Einzelheiten befinden. Große Flächen und klare Linien geben dem Kind Orientierung, ohne es mit zu vielen Details zu überfordern.

    Ab etwa drei Jahren wird das Malbuch oft besonders interessant

    Rund um das dritte Lebensjahr verändert sich bei vielen Kindern die Art und Weise, wie sie mit Bildern und Stiften umgehen. Sie erkennen immer mehr Gegenstände und Tiere und beginnen zunehmend, ihre eigenen Vorstellungen auf Papier zu bringen. Vielleicht wird aus einem einfachen Kreis plötzlich ein Ball oder aus einigen Linien ein Haus.

    Auch beim Ausmalen können Kinder in diesem Alter schon bewusster mit Farben umgehen. Dabei muss natürlich nicht immer die Farbe verwendet werden, die wir Erwachsenen erwarten würden. Ein Hund kann blau sein, ein Baum kann mehrere Farben bekommen und ein Haus kann genauso gut lila wie rot oder gelb sein.

    Gerade diese Freiheit finde ich beim Malen besonders schön. Ein Malbuch sollte einem Kind nicht vorschreiben, wie die Welt auszusehen hat, sondern ihm die Möglichkeit geben, sie selbst zu gestalten.

    Mit vier Jahren dürfen die Bilder etwas anspruchsvoller werden

    Mit zunehmendem Alter können viele Kinder ihre Stifte immer kontrollierter führen und sich auch länger mit einem Bild beschäftigen. Dadurch werden Motive interessant, die etwas mehr Details enthalten. Ein Wald mit mehreren Tieren, ein Bauernhof oder eine kleine Landschaft kann dann nicht nur ausgemalt, sondern auch mit eigenen Ideen ergänzt werden.

    Hier entsteht häufig etwas, das über das reine Ausmalen hinausgeht. Ein Kind malt beispielsweise einen Igel und erzählt gleichzeitig, wohin dieser gerade unterwegs ist. Vielleicht findet er einen Apfel, trifft einen anderen Igel oder versteckt sich unter einem großen Blatt. Das eigentliche Bild wird damit zum Ausgangspunkt für eine kleine Geschichte.

    Gerade bei Tiermotiven lässt sich das sehr schön beobachten. Kinder kennen viele Tiere aus Büchern, aus dem Zoo oder aus ihrer eigenen Umgebung und verbinden mit ihnen bereits bestimmte Vorstellungen. Ein Malbild kann diese Fantasie aufnehmen und weiterführen.

    Woran können Eltern erkennen, dass ihr Kind bereit für ein Malbuch ist?

    Eine genaue Altersgrenze braucht es eigentlich gar nicht. Wenn ein Kind gerne Stifte in die Hand nimmt, sich für Farben interessiert oder immer wieder versucht, etwas auf Papier zu zeichnen, ist das meistens ein gutes Zeichen.

    Auch wenn ein Kind gerne Bilder anschaut und Tiere, Fahrzeuge oder andere Gegenstände wiedererkennt, kann ein einfaches Malbuch interessant sein. Entscheidend ist weniger das Alter auf dem Kalender als vielmehr die Frage, ob das Kind Freude daran hat.

    Eltern sollten deshalb beim Kauf nicht nur auf die Altersangabe auf dem Buch schauen, sondern sich möglichst auch die Motive ansehen. Sind die Bilder groß genug? Sind die Linien klar und gut erkennbar? Gibt es genügend freie Flächen? Und vor allem: Passen die Motive zu dem, was das eigene Kind gerade interessant findet?

    Ein Kind, das Tiere liebt, wird wahrscheinlich mit einem Malbuch voller Tiere mehr anfangen können als mit einem Buch, das hauptsächlich abstrakte Formen enthält.

    Muss ein Kind beim Ausmalen innerhalb der Linien bleiben?

    Das ist eine Frage, die Eltern häufig beschäftigt. Gerade bei jüngeren Kindern sollte man das allerdings ziemlich gelassen sehen. Die Fähigkeit, einen Stift gezielt zu führen und gleichzeitig die Begrenzung einer Fläche zu beachten, entwickelt sich erst nach und nach.

    Wenn ein zweijähriges oder dreijähriges Kind über die Linie malt, ist das deshalb zunächst einmal kein Problem. Es probiert seine Bewegungen aus und gewinnt mit jeder Erfahrung mehr Kontrolle über den Stift.

    Auch später muss ein Bild nicht vollkommen sauber innerhalb der Linien ausgemalt sein. Schließlich geht es beim Malen nicht darum, eine Prüfung zu bestehen. Es geht darum, etwas selbst zu gestalten.

    Wenn Eltern beim gemeinsamen Malen ständig darauf hinweisen, dass eine Farbe über die Linie gegangen ist oder eine bestimmte Farbe „nicht passt“, kann die Freude schnell verloren gehen. Viel schöner ist es, Interesse zu zeigen und das Kind zu fragen, warum es sich für eine bestimmte Farbe entschieden hat oder was auf seinem Bild gerade passiert.

    Gemeinsam malen kann den Einstieg erleichtern

    Manchmal braucht ein Kind gar keine besondere Motivation. Es reicht schon, wenn Mama, Papa oder eine andere vertraute Person daneben sitzt und selbst einen Stift in die Hand nimmt.

    Kinder beobachten Erwachsene sehr genau. Wenn sie sehen, dass jemand selbst Spaß am Malen hat, werden sie häufig neugierig und möchten irgendwann mitmachen. Dabei muss man das Kind gar nicht auffordern, ein bestimmtes Bild fertigzustellen.

    Man kann einfach gemeinsam am Tisch sitzen, ein bisschen malen und miteinander erzählen. Vielleicht entsteht dabei eine kleine Geschichte über das Tier auf der Seite oder man überlegt gemeinsam, welche Farben verwendet werden könnten.

    So wird aus dem Malbuch keine Aufgabe, sondern eine gemeinsame Beschäftigung.

    Was tun, wenn das Kind überhaupt keine Lust hat?

    Auch das gehört dazu. Es gibt Tage, an denen ein Kind lieber draußen spielen möchte, mit seinen Spielsachen beschäftigt ist oder einfach keine Lust auf Stifte hat. Das sollte man akzeptieren.

    Ein Malbuch muss nicht jeden Tag benutzt werden und ein Kind muss auch nicht dazu überredet werden, ein Bild fertigzustellen. Wenn das Interesse gerade fehlt, kann man das Buch einfach zur Seite legen und es später noch einmal anbieten.

    Manchmal kommt die Lust ganz von alleine zurück. Vielleicht liegt das Malbuch einige Tage auf dem Tisch und plötzlich setzt sich das Kind hin und beginnt zu malen. Solche Momente sind viel wertvoller, als wenn ein Kind nur deshalb malt, weil ein Erwachsener es dazu aufgefordert hat.

    Das passende Malbuch ist wichtiger als das genaue Alter

    Eine feste Grenze wie „Ab drei Jahren muss ein Kind ein Malbuch benutzen“ gibt es nicht. Viel sinnvoller ist es, das Malbuch an den Entwicklungsstand und die Interessen des Kindes anzupassen.

    Für sehr junge Kinder eignen sich große, einfache Motive mit deutlichen Linien. Mit zunehmendem Alter dürfen die Bilder detaillierter werden und mehr Möglichkeiten zum eigenen Gestalten bieten.

    Bei der Gestaltung unserer Malbücher versuchen wir deshalb, immer darauf zu achten, dass die Motive nicht unnötig kompliziert sind und trotzdem genügend Raum für die Fantasie der Kinder lassen. Ein Malbuch für kleine Kinder sollte schließlich nicht nur eine Seite mit schwarzen Linien sein, die irgendwie ausgemalt werden soll. Es darf neugierig machen und dazu einladen, sich mit dem Bild zu beschäftigen.

    Am Ende zählt nicht, wie perfekt das Bild aussieht

    Vielleicht wird das erste Bild Ihres Kindes nur mit zwei Farben ausgemalt. Vielleicht wird die Hälfte der Seite bunt und die andere Hälfte bleibt weiß. Vielleicht geht der Stift noch häufig über die Linien oder das Kind entscheidet sich für Farben, auf die ein Erwachsener niemals gekommen wäre.

    All das gehört dazu.

    Malen entwickelt sich mit dem Kind weiter. Was heute noch wie eine einfache Kritzelei aussieht, kann einige Monate später schon viel gezielter und bewusster gestaltet werden. Deshalb sollten Eltern vor allem eines tun: ihrem Kind die Möglichkeit geben, auszuprobieren.

    Denn ein Malbuch ist nicht dazu da, möglichst schnell ein perfektes Bild zu produzieren. Es soll Kindern die Freude an Farben, Formen und der eigenen Kreativität näherbringen.

    Und vielleicht ist genau das der schönste Moment beim Malen: Wenn das Kind irgendwann mit seinem bunten Bild zu Mama oder Papa kommt, es stolz in die Höhe hält und sagt:

    „Schau mal, das habe ich gemacht!“

    Dann spielt es eigentlich keine Rolle mehr, wie alt das Kind war, als es sein erstes Malbuch bekommen hat.

    Du möchtest dein Kind erst einmal für das Malen begeistern? Dann lies auch unsere Tipps, wie du Kinder zum Malen motivieren kannst.

    Elian

  • 10 Wege, um ein Malbild optimal auszumalen

    10 Wege, um ein Malbild optimal auszumalen

    Ein Malbild auszumalen klingt zunächst ganz einfach: Stift nehmen und loslegen.

    Aber wer schon einmal mit einem Kind gemeinsam gemalt hat, weiß: Es gibt unzählige Möglichkeiten, aus einem einfachen Malbild etwas ganz Besonderes zu machen.

    Als Malbuchersteller finde ich es immer wieder spannend zu sehen, wie unterschiedlich Kinder mit denselben Bildern umgehen. Das eine Kind malt einen Elefanten grau, das andere macht ihn bunt. Das eine bleibt ganz genau innerhalb der Linien, das andere lässt die Farben bewusst darüber hinauslaufen.

    Und beides kann richtig sein.

    Trotzdem gibt es ein paar einfache Tricks, mit denen ein Malbild besonders schön und interessant werden kann.

    1. Erst einmal das ganze Bild anschauen

    Bevor der erste Stift zum Einsatz kommt, lohnt es sich, das Bild kurz anzuschauen.

    Was ist darauf zu sehen?

    Welche Tiere, Menschen oder Gegenstände gibt es?

    Welche Bereiche möchtest du zuerst ausmalen?

    Gerade bei größeren Bildern hilft es, sich zunächst einen kleinen Überblick zu verschaffen.

    2. Mit den großen Flächen beginnen

    Eine einfache Methode ist, zunächst die großen Flächen auszumalen.

    Zum Beispiel:

    • den Himmel
    • eine Wiese
    • ein großes Tier
    • ein Haus
    • einen großen Baum

    Danach kann man sich an die kleineren Bereiche herantasten.

    So wirkt das Bild nach und nach immer vollständiger.

    Malbild

    3. Farben vorher auswählen

    Manchmal sieht ein Bild besonders harmonisch aus, wenn man nicht einfach jede Farbe zufällig verwendet.

    Leg dir zum Beispiel drei bis fünf Farben neben das Bild.

    Vielleicht:

    Grün – Blau – Gelb – Rot – Braun

    Jetzt kannst du überlegen, wo diese Farben gut passen.

    Das bedeutet natürlich nicht, dass man sich strikt daran halten muss. Wenn plötzlich noch eine andere Farbe gebraucht wird, darf sie selbstverständlich dazukommen.

    4. Helle und dunkle Farben kombinieren

    Ein Bild kann interessanter wirken, wenn nicht alles gleich kräftig ausgemalt wird.

    Du kannst beispielsweise einen hellen Himmel mit einem kräftigeren Baum kombinieren.

    Oder bei einem Tier manche Bereiche etwas heller und andere etwas dunkler gestalten.

    Dadurch bekommt das Bild mehr Abwechslung.

    5. Nicht immer nur eine Farbe verwenden

    Warum sollte ein Baum nur grün sein?

    Vielleicht bekommt der Baum verschiedene Grüntöne.

    Oder ein paar gelbe Blätter.

    Oder sogar rote und orange Blätter.

    Auch bei Tieren kann man verschiedene Farbtöne miteinander kombinieren.

    So entsteht ein lebendigeres Bild.



    6. Innerhalb der Linien langsam arbeiten

    Wenn du möglichst sauber ausmalen möchtest, hilft vor allem eines:

    Nicht zu schnell arbeiten.

    Gerade bei kleinen Flächen kann es sinnvoll sein, die Stiftbewegungen etwas kleiner zu machen.

    Bei größeren Flächen kann man dagegen mit längeren Bewegungen arbeiten.

    Und wenn doch einmal eine Linie übermalt wird?

    Kein Problem.

    Ein Malbild muss nicht perfekt aussehen.

    7. Mit dem Druck des Stiftes experimentieren

    Das ist ein einfacher Trick, den viele gar nicht ausprobieren.

    Drücke einmal etwas stärker auf den Stift.

    Die Farbe wird kräftiger.

    Dann male dieselbe Farbe ganz leicht auf das Papier.

    Sie wirkt plötzlich viel heller.

    Mit derselben Farbe kannst du dadurch unterschiedliche Wirkungen erzeugen.

    Das macht besonders bei größeren Flächen Spaß.

    Malbuch

    8. Kleine Details hervorheben

    Viele Malbilder haben kleine Details, die erst richtig auffallen, wenn sie Farbe bekommen.

    Zum Beispiel:

    • Augen
    • Blumen
    • Knöpfe
    • Blätter
    • Sterne
    • Muster
    • kleine Gegenstände

    Diese Details kannst du bewusst mit einer kräftigen oder besonderen Farbe hervorheben.

    So bekommt das Bild seinen eigenen Charakter.

    9. Trau dich, ungewöhnliche Farben zu verwenden

    Das ist vielleicht mein wichtigster Tipp:

    Es gibt beim Malen nicht immer eine richtige Farbe.

    Ein Hund muss nicht braun sein.

    Eine Blume muss nicht rot sein.

    Und ein Haus muss nicht weiß sein.

    Vielleicht möchtest du einen blauen Hund malen.

    Dann mach das!

    Gerade Kinder haben hier oft eine wunderbare Fantasie. Ein Malbuch sollte diese Fantasie nicht einschränken, sondern sie ermöglichen.

    10. Zum Schluss noch einmal das ganze Bild anschauen

    Wenn du mit dem Ausmalen fertig bist, leg den Stift kurz zur Seite.

    Schau dir dein Bild noch einmal in Ruhe an.

    Gibt es eine Stelle, die noch etwas Farbe gebrauchen könnte?

    Möchtest du irgendwo ein kleines Detail ergänzen?

    Vielleicht möchtest du sogar noch einen eigenen Baum, eine Sonne oder ein paar Wolken dazumalen.

    Denn ein Malbild muss nicht genau so bleiben, wie es ursprünglich gedruckt wurde.

    Es ist dein Bild.

    Das Wichtigste: Dein Bild muss dir gefallen

    Ein „optimales“ Malbild ist nicht unbedingt das Bild, das am saubersten innerhalb der Linien ausgemalt wurde.

    Es ist das Bild, bei dem du Freude hattest.

    Vielleicht hast du dich für ungewöhnliche Farben entschieden.

    Vielleicht hast du sehr sorgfältig gearbeitet.

    Vielleicht hast du einfach drauflosgemalt.

    Alles ist erlaubt.

    Denn genau das macht das Ausmalen so schön:

    Aus einem schwarz-weißen Bild wird durch deine Ideen etwas ganz Eigenes.

    Und vielleicht ist das am Ende der beste Tipp überhaupt:

    Nicht darüber nachdenken, wie das Bild aussehen „muss“.

    Einfach anfangen und Spaß am Malen haben.

    Du möchtest dein Kind erst einmal für das Malen begeistern? Dann lies auch unsere Tipps, wie du Kinder zum Malen motivieren kannst.

    Elian

  • Kinder zum Malen  motivieren – kleine Tipps, die im Alltag wirklich funktionieren

    Kinder zum Malen motivieren – kleine Tipps, die im Alltag wirklich funktionieren

    Als Malbuchersteller beschäftigt mich eine Frage immer wieder:

    Was macht ein Malbuch eigentlich für ein kleines Kind interessant? Wie kann man Kinder zum Malen motivieren?

    Denn ein schönes Malbuch allein bedeutet noch lange nicht, dass ein zweijähriges, dreijähriges oder vierjähriges Kind sofort begeistert zum Stift greift.

    Manchmal wird eine Seite kurz angeschaut, ein paar Striche werden gemalt – und schon ist das Kind wieder verschwunden.

    Für Eltern kann das zunächst enttäuschend sein. Gerade wenn man sich Mühe gegeben und ein schönes Malbuch ausgesucht hat.

    Aber genau hier lohnt es sich, die Sache einmal aus der Sicht des Kindes zu betrachten.


    Kinder malen anders als Erwachsene

    Ein kleines Kind möchte normalerweise kein perfektes Bild herstellen.

    Es denkt nicht:

    „Jetzt muss ich diesen Bereich ordentlich ausmalen und darf nicht über die Linie malen.“

    Es entdeckt.

    Es probiert Farben aus.

    Es macht Linien und Punkte.

    Es entscheidet plötzlich, dass ein Elefant blau sein soll.

    Und manchmal wird aus einem einfachen Kreis ein Gesicht, ein Ball oder vielleicht sogar ein ganzes Haus.

    Das ist kein falsches Malen. Das ist kindliches Entdecken.

    Deshalb finde ich es wichtig, dass Eltern beim Malen nicht zu viel erwarten.


    Der beste Anfang: Einfach selbst anfangen

    Eine Erfahrung, die ich besonders interessant finde: Kinder schauen sich sehr viel von Erwachsenen ab.

    Manchmal hilft deshalb eine ganz einfache Sache.

    Setzen Sie sich mit Ihrem Kind an den Tisch und beginnen Sie selbst zu malen.

    Nicht:

    „Komm, du musst jetzt malen.“

    Sondern einfach:

    „Ich male gerade den Baum.“

    Vielleicht kommt Ihr Kind nach kurzer Zeit von selbst dazu.

    „Was machst du?“

    „Ich male den Baum. Welche Farbe soll deiner bekommen?“

    Und schon kann es losgehen.


    Machen Sie aus dem Malen keine Prüfung

    „Welche Farbe hat ein Baum?“

    „Warum malst du den Hund blau?“

    „Du bist über die Linie gekommen.“

    Solche Sätze sind wahrscheinlich gut gemeint. Sie können aber dazu führen, dass ein Kind das Gefühl bekommt, es könne etwas falsch machen.

    Dabei darf ein Kinderbild genau das sein:

    ein Kinderbild.

    Wenn ein kleiner Künstler einen roten Himmel malen möchte, dann darf der Himmel rot sein.

    Wenn der Hund drei verschiedene Farben bekommt, ist das ebenfalls völlig in Ordnung.

    Vielleicht ist es sogar gerade diese Freiheit, die das Kind beim nächsten Mal wieder zum Malbuch greifen lässt.

    Kinder zum Malen motivieren

    Kleine Entscheidungen machen Kindern Spaß

    Gerade bei jüngeren Kindern können kleine Fragen sehr gut funktionieren.

    „Welche Farbe bekommt der Ball?“

    „Rot oder gelb?“

    „Möchtest du zuerst den Hund oder das Haus malen?“

    Das sind keine großen Aufgaben. Aber das Kind darf selbst entscheiden.

    Und genau dieses Gefühl ist wichtig:

    „Das ist mein Bild.“


    Probieren Sie es einmal mit einer Geschichte

    Das ist einer meiner liebsten Wege, ein Malbuch gemeinsam mit einem Kind zu entdecken.

    Stellen wir uns vor, auf der Seite ist ein kleiner Dachs zu sehen.

    Man könnte einfach sagen:

    „Male den Dachs aus.“

    Oder man beginnt eine kleine Geschichte:

    „Der kleine Dachs ist heute früh aufgestanden. Er möchte in den Wald gehen. Aber bevor er losgeht, braucht er noch seinen Rucksack.“

    „Welche Farbe soll der Rucksack bekommen?“

    Vielleicht entscheidet sich das Kind für Rot.

    Dann geht die Geschichte weiter:

    „Jetzt läuft der kleine Dachs in den Wald. Was glaubst du, wen trifft er dort?“

    Plötzlich ist das Kind nicht mehr nur damit beschäftigt, Flächen auszumalen.

    Es denkt sich etwas aus.

    Vielleicht kommt ein Fuchs dazu.

    Vielleicht findet der Dachs einen Schatz.

    Vielleicht regnet es plötzlich.

    Das Malbild wird zu einer kleinen Geschichte.



    Über die Linien malen? Kein Problem!

    Gerade bei kleinen Kindern sollten Eltern beim Ausmalen nicht zu streng sein.

    Die Fähigkeit, einen Stift kontrolliert zu führen, entwickelt sich Schritt für Schritt.

    Ein Kind muss erst lernen, die Bewegung der Hand mit dem zu verbinden, was es auf dem Papier sieht.

    Da geht natürlich auch einmal etwas über die Linie.

    Das gehört dazu.

    Anstatt sofort zu verbessern, kann man einfach sagen:

    „Du hast aber kräftig gemalt.“

    Oder:

    „Das ist eine schöne Farbe.“

    Oder man lässt das Kind einfach weitermachen.

    Mit der Zeit wird die Genauigkeit ganz von selbst besser.


    Kritzeln gehört zum Malen dazu

    Manchmal schauen Erwachsene auf die ersten Kritzeleien und denken:

    „Da kann man ja noch gar nichts erkennen.“

    Aber genau diese Phase ist wichtig.

    Das Kind entdeckt, dass seine Hand auf dem Papier Spuren hinterlässt.

    Es macht einen Strich.

    Dann noch einen.

    Vielleicht einen Kreis.

    Vielleicht ganz viele Punkte.

    Das ist für ein kleines Kind eine spannende Erfahrung.

    Deshalb darf neben dem Malbuch ruhig auch ein Stapel normales Papier liegen.

    Nicht jedes Blatt muss ein fertiges Bild werden.


    Lieber zehn Minuten Freude als dreißig Minuten Druck

    Das ist vielleicht einer der wichtigsten Tipps für Eltern.

    Wenn Ihr Kind nach zehn Minuten keine Lust mehr hat, muss das Malen nicht künstlich verlängert werden.

    „Jetzt mach wenigstens noch das Bild fertig.“

    Das ist meistens nicht nötig.

    Vielleicht reicht heute die Sonne.

    Morgen wird vielleicht der Baum ausgemalt.

    Und übermorgen möchte das Kind plötzlich das ganze Bild machen.

    Malen sollte sich nicht wie eine Pflicht anfühlen.


    Auch das Material spielt eine Rolle

    Bei kleinen Kindern sind einfache und gut greifbare Malutensilien hilfreich.

    Je nach Alter können beispielsweise dickere Buntstifte oder Wachsmalstifte angenehmer sein als sehr dünne Stifte.

    Auch die Motive im Malbuch sollten zum Alter passen.

    Für jüngere Kinder sind große, gut erkennbare Motive mit klaren Linien oft angenehmer als sehr kleine und komplizierte Zeichnungen.

    Genau auf solche Dinge achten wir auch bei der Gestaltung unserer Malbücher.

    Denn ein Malbuch für ein dreijähriges Kind sollte nicht einfach eine verkleinerte Version eines Malbuchs für Erwachsene sein.

    Kinder brauchen Bilder, die zu ihrer Welt passen.


    Und wenn das Kind überhaupt nicht malen möchte?

    Dann ist das auch okay.

    Vielleicht ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt.

    Vielleicht möchte das Kind lieber Lego bauen, draußen spielen oder ein Buch anschauen.

    Das Malbuch kann einfach liegen bleiben.

    Manchmal kommt die Motivation ganz von alleine.

    Und vielleicht passiert genau das, womit man gar nicht gerechnet hat:

    Das Kind nimmt das Malbuch am nächsten Morgen selbst in die Hand und sagt:

    „Heute möchte ich malen.“

    Dann ist es soweit.


    Das Wichtigste ist nicht das fertige Bild

    Als Malbuchersteller freue ich mich natürlich, wenn ein Kind ein ganzes Bild ausmalt.

    Aber noch schöner finde ich den Gedanken, dass ein Malbuch einem Kind einen kleinen Raum für Fantasie gibt.

    Ein paar Stifte.

    Ein Blatt Papier.

    Eine einfache Zeichnung.

    Und plötzlich entsteht daraus eine eigene Geschichte.

    Deshalb müssen Eltern beim Malen nicht daneben sitzen und darauf achten, ob alles perfekt aussieht.

    Setzen Sie sich einfach dazu. Malen Sie mit. Fragen Sie nach. Hören Sie zu.

    Vielleicht erfahren Sie dabei Dinge über die Fantasie Ihres Kindes, die Sie vorher noch gar nicht kannten.

    Und am Ende ist vielleicht gar nicht das fertige Bild das Wichtigste.

    Sondern die zehn oder fünfzehn Minuten, in denen Ihr Kind neben Ihnen saß und ihr gemeinsam etwas gemacht habt.

    Denn genau dafür sollten Malbücher da sein: zum Malen, zum Entdecken und vor allem zum gemeinsamen Freude haben.

    Du möchtest wissen, wie du ein Malbild besonders schön gestalten kannst? Hier findest du 10 praktische Tipps zum Ausmalen.

    Elian